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Der Ina-Fluss im Jahr 1918


Die Sage nach sei der sich schlängelnde Fluss Ihna vom Teufel eingepflügt worden. Um die Einheimischen zu ärgern, spannte er dazu zwei miteinander zerstrittene Hexen so ein, dass sie den Pflug in verschiedene Richtungen ziehen. Trotz seines höllischen Ursprungs heilt das am Ostermorgen aus dem Fluss geschöpfte Wasser jedes Augenleiden.
Die Ihna ist der längste (ca. 130 km) rechte Nebenfluss der Oder in ihrem Unterlauf. Sie wurde im Laufe der Zeit zu einem Symbol der Stadt, das zusammen mit dem pommerschen Greifen auf dem Wappenschild der Stadt abgebildet wurde. Im Mittelalter entschied ihre Schiffbarkeit über die Entwicklung, den Wohlstand und die Macht der Hafenstadt. Der Fluss diente bis zum Ende des 19. Jh. als eine derartig leistungsfähige Wasserstraße, dass Stargard seit dem 14. Jh. zu einem der größten Weizenexporteure in Pommern gewachsen ist. Die exportieren Waren wurden innerhalb der Stadtmauern auf Kähne verladen (dieser innen liegende Hafen war ein Unikum nicht nur in Pommern). Die Insel innerhalb der Festungen war von zwei heute nicht mehr existierenden Flussarmen durchquert, die ebenfalls als Ladekanäle benutzt wurden. Dadurch wurde die Kapazität des Stargarder Hafens erheblich gesteigert. In dem zu Stargard gehörenden Flusshafen an der Mündung der Ihna sind die Waren auf Hochseeschiffe umgeschlagen worden.
Der Reichtum und die Unabhängigkeit der Stadt führten zu zahlreichen Konflikten mit Konkurrenten. Die Städte Goleniów und Szczecin versuchten (trotz des herzoglichen Privilegs der freien Schifffahrt), Stargard an der Flößerei zu hindern, indem sie z.B. zeitweise das Flussbett der Ihna versperrten. Im 15. Jh. kam es sogar zu einem offenen und unentschiedenen Konflikt mit Szczecin (sog. Weizenkrieg). Zu dieser Zeit waren diese Städte beinahe gleichbedeutend und lagen in verschiedenen Herzogtümern. Bürger und bewaffnete Söldner kämpften zu Lande und zu Wasser. Im Jahr 1460 pflanzten die Bürgermeister beider Städte in Kobylanka eine Linde als sog. „Friedenskranz“. Der größte Handelskrieg Pommerns endete formal 1464 mit dem Waffenstillstand von Anklam.
Einst trieb Ihna auch die herzogliche Großmühle und später (ab dem 18. Jh.) – die Stadtmühle an. Ihre Nebenflüsse Krampehl und Faule Ihna bewegten andere Stargarder Mühlen. Zudem versorgte der Fluss die Stargarder Bürger mit Fischen. Die Ihna bot der Stad natürliche Abwehr: Vor den Mauern und Wällen entstanden Sumpf- und Bruchgebiete und das aufgestaute Wasser füllte die meisten der tiefen Stadtgräben.
Der Fluss war auch für die Handwerker Stargards von großer Bedeutung. Insbesondere waren die zahlreichen städtischen Tuchmacher und die Gerber von ihm abhängig, da sein Wasser ihre Walkmühlen bewegte. Auch später war ihre Rolle für die Industrie enorm. Alle Stadtbewohner nutzen den Fluss als Wasserquelle und Ort der Erholung.
Die Ihna war manchmal auch gefährlich. Ihre Überschwemmungen im Frühjahr und häufige, schwerwiegende Fluten zwangen die damaligen Stargarder, den Wasserstrom zu regulieren und ein System von Entlastungskanälen und Rückhaltebecken zu errichten.
Heute ist die Ihna wieder ein fischbarer Fluss. In ihrem Mittellauf bewässert sie mit einem System von Kanälen zahlreiche Ackerflächen und wird von Kanufahrern als eine attraktive Wasserstrecke sehr geschätzt.