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F. A. Winkelhausens Likör-, Cognac- und Weinfabrik in Stargard, 1922
Bis in die Neuzeit waren die wichtigsten Einnahmequellen der Stargarder Bürger der Handel, das Handwerk und die Grundbesitzungen. In Zeiten vor der Stadtgründung konzentrierte sich das Stargarder Handwerk auf das Suburbium auf der Insel und der Handel auf die Siedlung am linken Ufer des westlichen Ihna-Armes. Mit der Verleihung der Stadtrechte erhielt Stargard Ländereien, das Seefahrtsrecht, die Befreiung von den Zöllen in Pommern und das Recht zur Bildung von Zünften. Die Stadt entwickelte sich bald zu einem Handwerkszentrum, das auf ein großes Gebiet einwirkte. Mehr als 30 autonome Zünfte und Gilden, deren Vertreter im Rat der Stadt saßen, waren hier zu dieser Zeit tätig. Ihre Struktur war hierarchisch. Zum Meister konnte nur ein Stargarder Bürger von ehelicher Geburt werden. Die Eheschließung mit einer Witwe oder Tochter des Meisters beförderte den Kandidaten. Neben den (oft herzoglichen) Privilegien waren die Mitglieder der Zünfte verpflichtet, an der Verteidigung teilzunehmen, Brände zu löschen und Arbeiten zugunsten der Stadt zu verrichten.
Viele Organisationen schlossen sich mit den Zünften aus einem großen Gebiet zusammen (z. B. Weber in Königsberg, Toruń und Rostock). Von Stargards handwerklicher Meisterschaft zeugen bis heute u.a. die große Glocke in der Kirche St. Johannes der Täufer und die Orgel der Kamminer Kathedrale. Zu den führenden Zünften in Stargard gehörten: die Bäcker, Schuhmacher, Weber, Tuchmacher, Brauer, Zinngießer, Glockengießer und Goldschmiede.
Ab dem 14. Jh. spielten die Zünfte der Kaufleute – Schiffer und Krämer – eine wichtige Rolle. Der Handel wurde zur Hauptquelle des Reichtums der hanseatischen Stadt Stargard. Die Stadt erzielte Einnahmen u.a. dank der Zollkammer und Münzstätte sowie aus Steuern, Stempelabgaben und Mautgebühren sowie Erträgen aus der Apotheke, dem Badehaus, der Waage, der Mühle und dem Grundbesitz. Zu Stargard gehörten damals elf Dörfer im Ganzen und vier teilweise sowie die Wälder entlang des Flusses Ihna.
Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen führten zum Zusammenbruch der pommerschen Wirtschaft. Die Stargarder lebten von der Landwirtschaft und der Produktion für den lokalen Markt. Die städtische Wirtschaft wurde durch die Hauptstadtwürde Stargards und den Zuzug hochqualifizierter französischer Handwerker angekurbelt, wodurch hier ein bedeutendes Zentrum der Weberei entstand. Im 18. Jh. wurde Stargard – ein wichtiger Straßenknotenpunkt – zu einer Umsteigestation für die Kurierpost. Damals entstanden auch die ersten Manufakturen, es wurden Brauereien und Seifenfabriken betrieben.
Ab Mitte des 19. Jh. spielte die Eisenbahn eine wichtige Rolle für die Gestaltung der Stadt. Der Verkehrsknotenpunkt Stargard war einer der größten in der Provinz. Seit der Jahrhundertwende zum 20. Jh. waren die Reparaturwerkstätten für Schienenfahrzeuge die zweitgrößten in Pommern. Zu jener Zeit wurde Stargard ein wichtiges Industriezentrum. Es wurden hier u.a. Fabriken für Landmaschinen, Teerpappe, Seife, Filz, Schnupftabak, Öl und die in Europa bekannten Spirituosenfirmen (F. J. Mampe, H. A. Winkelhausen) gegründet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bahnindustrie bis in die 1990er Jahre hinein der wichtigste Wirtschaftszweig und beschäftigte fast 6 000 Menschen. Stargard war damals als Eisenbahnstadt bekannt. Zudem fanden mehrere tausend Menschen in vielen industriellen Bereichen Beschäftigung. Der Wandel um die Jahrhundertwende veränderte die Beschäftigungsstruktur der Stargarder und das Antlitz der Industrie in der Stadt. Immer mehr Menschen begannen, von produktions-fremden Sektoren der Wirtschaft zu leben. Am Stadtrand von Stargard haben sich zwei Gewerbezonen entwickelt – der High-Tech Industriepark und der Stargarder Industriepark.